Frankfurter Grüne Soße

Heute: Die Pimpinelle

Marktstand mit Kräutern - (c) pixabay.com

Marktstand mit Kräutern

Einheimische, also echte Hessen, nennen sie „Grie Sooß“. Ihre Herstellung ist eine kleine Wissenschaft. Sieben verschiedene Kräuter müssen angebaut, gehegt und gepflegt, geerntet, verpackt, auf den Wochenmarkt gebracht, verkauft, gekauft, nach Hause transportiert, ausgepackt, gewaschen, gehackt und zur echten Frankfurter Grünen Soße verarbeitet werden. Das macht viel Arbeit. Dazu reicht man beispielsweise Salzkartoffeln und gekochte Eier. Ja, diese Hessen sind schon ein komisches Völkchen. Sogar eine Steigerung zu dieser Soße haben sie auf der Pfanne: Handkäs mit Musik. „Dadazu sache isch jetz nüscht!“ (Thüringische Lebensweisheit).

Die Mitglieder der Autorengruppe ARS Autoren RheinMain Szene e.V. bereiten gerade eine Lesung in der Gaststätte „Grüne Soße und Mehr“ vor. Sie steht unter dem Motto: „7-Kräuter-Lesung“ und beginnt am 29. April um 19 Uhr. Natürlich kann man zu den Geschichten auch ein „Grie Sooß“-Menü schnabulieren, ein Bierchen oder ein Gläschen Wein süffeln.

Sieben Autorinnen und Autoren schreiben zu diesem Thema je eine Kurzgeschichte. Jeder hat sich dazu eines der sieben Kräuter ausgesucht:

Pimpinelle, Schnittlauch, Petersilie, Borretsch,
Sauerampfer, Kerbel und Kresse

In loser Folge werden die beteiligten Autoren und ihr „Kraut“ sowie ihre Geschichte vorgestellt. Den Anfang machen:

Rainer Franke und die Pimpinelle


Rainer Franke schreibt und liest eine Geschichte zur Pimpinelle (auch Pimpernell oder kleiner Wiesenknopf genannt)

„Ich muss gestehen, noch nie Grie Sooß gegessen zu haben. Das ist in meinem Lebensplan nicht vorgesehen. Das hat einen Grund: Die Pimpinelle hat eine blutige Vergangenheit. ‚Mein‘ Kraut bei der 7-Kräuter-Lesung der Autorengruppe ARS ist die Pimpinelle mit ihrer Historie“, erklärt der Autor.

Hartgesottene Hessen, also echte Grie-Sooß-Fresserchen, lassen sich von dieser Geschichte nicht den Geschmack verderben. Doch die (literarische) Wahrheit wird jetzt ans Tageslicht gebracht.

Pimpernell - copyright pixabay.com

Pimpinelle

Fräulein Pimpernell muss im Jahr 1521 sehr schnell das thüringische Erfurt verlassen. Es geht um ihren Kopf. In Oberrad findet sie, auch mithilfe ihres hilfsbereiten Nachbarn Adam Moritz, dessen Profession eher blutiger Natur ist, ein bescheidenes Auskommen. Sie ist dank eines Gespensts, welches seine schützende Hand über sie hält, nicht unvermögend. Trotzdem lebt sie genügsam, hilft den Mädchen im örtlichen Waisenhaus so gut sie kann. Sie leistet ihren Oberräder Nachbarn sowie einem Jugendfreund, auch mithilfe ihrer fellbezogenen, kupfernen Wärmflasche, nicht nur emotionalen Beistand. Schließlich kommt das Gespenst persönlich zu Besuch und repariert ihre Winterstiefel. Die einzige Stippvisite auf dem Frankfurter Römer, also auf der anderen Seite des damals noch wilden Mains, bringt sie selbst beinahe aus dem seelischen Gleichgewicht: Es ist die Zeit der Reformation.

Und die Pimpinelle? Die wächst in ihrem Garten, am blutigen Arbeitsplatz des Nachbarn und wird von diesem später liebevoll auf ihr Grab gepflanzt. Die Grie Sooß mit der Pimpinelle und sechs weiteren Kräutern sind auch der Grund, weshalb die Oberräder lange Zeit als „geizische Leit“ verschrien waren.

Über den Autor

Rainer Franke, in Brandenburg geboren, lebt in Thüringen und arbeitet als Ingenieur in Frankfurt. Er ist Autor, Blogger und Fotograf. Seine Themen kommen aus dem Alltag, werden in der Stadt, auf der Straße, im Supermarkt, in der Straßenbahn, im Büro, in den Medien aufgeschnappt. Er schreibt Krimis, und Liebesgeschichten sowie über unser Leben in hundert Jahren. Erzählungen für Kinder runden das Spektrum ab. Viele Geschichten spielen in Frankfurt.

ARS Logo

Rainer Franke ist Gründungsmitglied der Autorengruppe ARS Autoren RheinMain Szene e.V.

Kontakt:

mail_             Rainer.Franke@fra-net.de
blog_             www.twilightfoto.wordpress.com
facebook_  www.facebook.com/AutorRainerFranke

Fotos: (c) Pixabay.com

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2 Gedanken zu “Frankfurter Grüne Soße

  1. Pingback: 7 Kräuter, 7 Autoren, 7 Geschichten und eine Soße | Autorengruppe ARS

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