Verflixte Weihnachtszeit #2

1222Die Weihnachtsvorbereitungen laufen auf Hochtouren. Es ist der alljährliche Stress. Trotz aller Routine rennen alle wie aufgescheuchte Hühner herum.

Der Weihnachtsmann und seine Helfer, die Weihnachtswichtel, wissen: Alles wird gut, alle Geschenke werden rechtzeitig eingepackt, alle Plätzchen werden gebacken sein, jedes kleine und große Kind erhält pünktlich seine Geschenke.

Da geschieht eine Katastrophe nach der anderen. Muss Weihnachten etwa ausfallen?

5 – Verflixte Technik

Verflixte Weihnachtszeit

Verflixte Weihnachtszeit

Die letzten Tage vor Weihnachten sind immer besonders aufregend. Alle rennen hektisch herum, jeder fragt jeden irgendetwas, niemand hat die Zeit, sich um die Probleme der anderen zu kümmern. Die jährlich wiederkehrende Idee, Weihnachten einfach um eine, besser gleich zwei Wochen zu verschieben, beantwortet der Weihnachtsmann mit einem klaren „Nein!“.

Endlich ist Wichtel Pleuel genesen. Ein böser Virus hatte ihn niedergestreckt. Genauer gesagt, das Biest hat ihn aufs Klo verfrachtet. Nun ist er wenigstens etwas dünner geworden und passt wieder unter den Schlitten vom Weihnachtsmann. Pleuel ist nämlich Schlittenmechaniker und zusammen mit dem Wichtel Wiesel für den Rentierschlitten vom Weihnachtsmann zuständig: Pleuel für die Schlittenmechanik, Wiesel für die Rentiere.

Mit großer Anstrengung und der Hilfe von siebzehn Rentieren zerrt Pleuel den Weihnachtsschlitten aus der Garage heraus. Er wundert sich, dass es so schwer geht. Ist irgendetwas nicht in Ordnung?

„Ojemine!“, stöhnt Pleuel entsetzt, „Die linke Kufe ist total verbogen! Jetzt hat der Schlitten einen mächtigen Rechtsdrall!“ Wie konnte das passieren? Im Januar war die Kalesche zur Untersuchung beim Schlitten-TÜV. Da war noch alles in Ordnung. Irgendwie kommt der Grund für dieses Malheur dann doch zutage. Der Weihnachtsmann hat, genau in der Zeit, als Pleuel unabkömmlich an die Kloschüssel gebunden war, mit Santa Claus und Väterchen Frost eine Wettfahrt gemacht. Der Weihnachtsmann gewann mit einem hauchdünnen Vorsprung. Aller-dings wurde er disqualifiziert, weil er eine Abkürzung genommen hatte. Bei dieser verrückten Abkürzung über eine Waldlichtung war er mit einem im Moos versteckten Baumstubben kollidiert und hat dabei die linke Kufe in alle Himmelsrichtungen verbogen.

Reparaturen an den Kufen sind besonders schwierig. Die müssen jedes Jahr höchsten Beanspruchungen standhalten. Innerhalb weniger Stunden legt der Weihnachtsschlitten, mit voller Ladung, viele tausend Kilometer zurück. Deshalb sind die Kufen aus unglaublich hartem Eisen gefertigt. Pleuel alleine schafft das nicht. Er hat gar nicht die nötige Geradebiege-Maschine dafür.

Zum Glück gibt es den himmlischen ADAC. Der Wichtel Pleuel weiß, dass Eile geboten ist. Schnell sucht er die Servicekarte. Der Weihnachtsmann hat sie irgendwo in seinem Büro hinterlegt. Nur wo liegt sie? Der Weihnachtsmann ist nämlich ein ziemlicher Chaot. Ordnungssinn ist nicht seine Stärke. Doch das sagt ihm lieber keiner der Wichtel. Er ist schließlich der Chef und der hat immer recht. Pleuel ist ratlos, die Servicekarte ist einfach nicht zu finden. Nun muss er den Weihnachtsmann fragen. Der greift einmal mittenhinein in den dritten Stapel auf dem linken Fensterbrett und hält die Karte mit einem Grinsen im Gesicht in der Hand. Pleuel ist perplex. Er sagt lieber nichts.

Nach dem Anruf beim Schlittenmobilclub ist Pleuel ratlos. Der Mitarbeiter an der Hotline sagte, dass die Reparatur in einer Fachwerkstatt durchgeführt werden muss. Das Abschleppen des Weihnachtsmannschlittens ist derzeit leider nicht möglich. Die Abschlepprentiere wurden nach Lappland verborgt.

„Bei euch ist nie etwas kaputt gegangen. Da kam uns das Angebot vom Polarkreis gerade recht.“ Laut Verkehrsordnung im Weihnachtsmannland dürfen die Rentiere vom Weihnachtsmann den defekten Schlitten nicht selbst abschleppen. Außerdem wäre das viel zu anstrengend für sie. Wahrscheinlich hätten sie dann nicht mehr genügend Kraft für die große Reise am Heiligen Abend.

Pleuel ist ratlos. Ohne Weihnachtsschlitten fällt Weihnachten aus. Wieso hat der Weihnachtsmann ihm nichts von seinem Missgeschick mitgeteilt?

Doch nicht alleine die verbogene Schlittenkufe ist ein Problem. Wiesel, der Rentierwichtel, kommt plötzlich angerannt. Er ist völlig aufgelöst und kann zuerst gar nicht reden. Dann endlich sagt er:
„Stellt euch vor, vom Dach des Rentierstalls sind beim letzten Sturm sieben Ziegel weggeflogen. Nun zieht es wie Hechtsuppe und es regnet immer rein. Fast alle Rentiere haben Schnupfen. Die können auf keinen Fall vor den Weihnachtsschlitten gespannt werden.“

Schlitten kaputt, Rentiere krank – schlimmere Katastrophen kann es gar nicht geben. Doch Pleuel hat eine Idee. Er ruft noch einmal beim himmlischen ADAC an und möchte einen Leihschlitten mit Rentieren bestellen.

Diesmal ist eine Dame an der Hotline. Sie überlegt lange und fragt schließlich, für welche Transportlast das Gefährt ausgelegt sein muss.
„Sagen wir mal, für mindestens tausend Tonnen“, antwortet Pleuel. Die Dame stöhnt hörbar.
„Unser größter Lastenschlitten schafft fünfzig Tonnen bei siebenunddreißig Stundenkilometern. Und Rentiere können diesen schweren Schlitten sowieso nicht ziehen. Da brauchen sie schon siebzehn Zugelche, aber die besonders starken.“


So endet die fünfte von insgesamt sechs Katastrophen, welche in diesem Jahr während der Weihnachtsvorbereitungen im Weihnachtsland passieren. Ist noch etwas zu retten? Oder muss gar Weihnachten ausfallen?

Die Antwort auf diese Fragen liefert die siebente Geschichte. Sie ist, neben den 5 weiteren Katastrophen in dem Heftchen „Verflixte Weihnachtszeit“ (Band 3 der Reihe „Ausgesucht“ von Rainer Franke) zu finden.

Rainer Franke, im Dezember 2016

https://www.facebook.com/AutorRainerFranke/
https://twilightfoto.wordpress.com/

Hinweis: Am 10. Dezember war die 1. Weihnachtskatastrophe aus der Reihe „Verflixte Weihnachtszeit“ hier im ARS-Weihnachtskalender zu finden.

© Foto: pixabay.com

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