Verflixte Weihnachtszeit #1

1210Die Weihnachtsvorbereitungen laufen auf Hochtouren. Es ist der alljährliche Stress. Trotz aller Routine rennen alle wie aufgescheuchte Hühner herum.

Der Weihnachtsmann und seine Helfer, die Weihnachtswichtel, wissen: Alles wird gut, alle Geschenke werden rechtzeitig eingepackt, alle Plätzchen werden gebacken sein, jedes kleine und große Kind erhält pünktlich seine Geschenke.

Da geschieht eine Katastrophe nach der anderen. Muss Weihnachten etwa ausfallen?

1 – Verflixte Motten!

Verflixte Weihnachtszeit

Verflixte Weihnachtszeit

Wie in jedem Jahr kontrolliert Wichtel Schnalle die Festkleidung vom Weihnachtsmann. Er nimmt alle Kleidungsstücke aus dem alten Schrank. Zumindest versucht er, die dicke Holztür zu öffnen. Doch die bleibt stur. Der Herbst war zu feucht, dauernd hat es geregnet. Kein Wunder, dass die Tür klemmt. Das Holz ist gequollen. Erst mit Hilfe von sieben anderen Wichteln gelingt es, die Tür mit lautem Knarren aufzusperren. Genau in diesem Moment kullert die Bommel der Weihnachtsmannmütze heraus. Das Band, mit dem sie an der Mütze festgemacht war, ist morsch geworden und gerissen. Schnell nimmt Schnalle die Kopfbedeckung aus dem Schrank. Ohne Puschel ist sie keine richtige Mütze für den Weihnachtsmann. Schnalle bekommt gleich den nächsten Schreck. Durch die Feuchtigkeit vermehrten sich die Motten und futterten den Pelzbesatz der Weihnachtsmannmütze fast vollständig auf.

„Wo ist sein linker Handschuh?“, fragt er sich und krabbelt in das Fach für Handschuhe, Pulswärmer und Schals hinein. Doch der linke Fäustling ist weg – weg, wie vom Boden des Weihnachtsmannlandes verschluckt.

„Der Weihnachtsmann braucht unbedingt beide Handschuhe, wenn er sich auf seine Reise zu den Kindern macht, um die Weihnachtsgeschenke zu verteilen!“ Bommel befürchtet, dass sich der Alte seine linke Hand verkühlen könne. Das darf nicht passieren!

Und schon naht die nächste Katastrophe. Die rechte Weihnachtsmannsocke, die mit den lustigen Sternen am Schaft, hat genau dort, wo der dicke Onkel vom Weihnachtsmann wohnt, ein fettes Loch. Motten sind nicht schuld daran. Die würden sich nie in die Nähe der Socken vom Weihnachtsmann trauen. Selbst ohne Mottenpulver und nach siebzehn Waschgängen duften die Strümpfe noch mächtig. Letztes Jahr war der Weihnachtsmann so stürmisch unterwegs, dass er die Stiefel verlor und auf Socken weiterlief. Dabei ist er in den Haufen von Bruno gelatscht. Beinahe wäre er auf seinem Hintern gelandet. Bruno ist der Bernhardiner von Oma Krause aus dem dritten Stock in der Parkstraße. Dessen Hinterlassenschaften sind riesengroß. Die Oma kramte gerade in ihrer Handtasche nach der Tüte zum Aufnehmen des Hundebatzens. Aber da war es zu spät. Die Endprodukte von Brunos Verdauung spritzten nach allen Seiten. Den Weihnachtsmann hat Oma Krause gar nicht mitbekommen, so schnell war der unterwegs. Drei Tage nach Weihnachten fanden die Wichtel die Stiefel vom Weihnachtsmann auf einer großen Kastanie im Park.
„Hat der ein Tempo draufgehabt!“, staunten sie.

Schnalle ist verzweifelt. Erst kullert ihm die Bommel vor die Füße, dann fressen die Motten die Weihnachtsmannmütze fast auf und nun ist noch ein riesiges Loch in der linken Socke vom Weihnachtsmann. Das ist zu viel für einen Wichtel. Er traut sich nicht, die warme Unterhose aus dem Schrankfach zu holen. Doch er nimmt allen Mut zusammen und findet diese unversehrte, mit der Zeit ein wenig angegraute, wollne Weihnachtsmannunterhose. Ihm fällt ein dicker Stein vom Herzen. Auch die Stiefel sind in Ordnung, müssten nur noch auf Hochglanz gewienert werden.

Ohne Argwohn holt Schnalle den Weihnachtsmannmantel aus dem Schrank. Auch der ist von den Motten verschont geblieben. Er legt ihn auf den Tisch und nimmt sich vor, ihn ein wenig zu bügeln. Das ist für einen Wichtel eine anstrengende Arbeit. Ein Wichtel ist klein und der Mantel vom Weihnachtsmann ist groß und schwer. Doch plötzlich entfleucht Schnalle ein lautes:
„Schei…!“ Er kann sich gerade noch zügeln, sonst hätte er dieses böse Wort ausgesprochen. Sicher müsste er dann beim Weihnachtsmann antanzen und sich eine Moralpredigt anhören. So viel Zeit hat er wirklich nicht.

Was war geschehen? Weihnachtswichtel Schnalle entdeckt auf dem Mantel, ganz vorne, genau auf dem weißen Pelzbesatz, dort wo alle Kinder bei der Bescherung aufgeregt hinschauen, einen großen Fleck. Es ist ein Klecks der Kirschlimonade, die sich der Weihnachtsmann vergangenes Jahr in einer Pause, zwischen der Bescherung der kleinen Annelie und des dicken Robert in der Karlstraße, direkt gegenüber der Backsteinkirche, gegönnt hat. Schnalle versteht nicht, weshalb er diesen Spritzer nicht gleich nach dem letzten Weihnachtsfest entdeckt hat. Bestimmt vom Weihnachtsstress noch so ausgelaugt, dass er etwas unaufmerksam war.

Schnalle ist verzweifelt. Schon in wenigen Tagen macht sich der Weihnachtsmann mit dem Rentierschlitten zu den Kindern auf den Weg. Wie soll er es schaffen, das alles in so kurzer Zeit zu reparieren?

Dicke Tränen kullern über seine Wangen. Die anderen Wichtel wollen ihn trösten. Doch sie finden keine Lösung. Auch im Weihnachtsmannland herrscht Fachkräftemangel. Dann hat Schnalle eine Idee:
„Er braucht eine Weihnachtsmannfrau!“ Frauen haben das Bekleidungsproblem ihrer Männer immer im Griff.


So endet die erste von insgesamt sechs Katastrophen, welche in diesem Jahr während der Weihnachtsvorbereitungen im Weihnachtsland passieren. Ist noch etwas zu retten? Oder muss gar Weihnachten ausfallen?

Die Antwort auf diese Fragen liefert die siebente Geschichte. Sie ist, neben den 5 weiteren Katastrophen in dem Heftchen „Verflixte Weihnachtszeit“ (Band 3 der Reihe „Ausgesucht“ von Rainer Franke) zu finden.

Rainer Franke, im Dezember 2016

 

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© Foto: pixabay.com

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