Festhalten

Warum halten wir reflexartig fest, was wir nicht wollen?

FesthaltenWer kennt das nicht. Dich stört, das du Angst vor anderen Menschen, engen Räumen oder was auch immer hast und willst es weg haben. Aber so einfach funktioniert das für gewöhnlich nicht. Warum ist es so, dass wir reflexartig glauben nur weil wir uns dagegen stemmen, würde sich ein solches Problem das seine Ursache in deiner Vorstellung hat, dadurch auflösen?

Ein Kind hat im Umgang mit Erwachsenen häufig eine Situation des Stärkeren gegen den Willen des Schwächeren. Die Situation, in der der Erwachsene zum Wohl des Kindes gegen seinen Willen entscheidet. Wie oft kam es früher vor, dass ich etwas haben wollte, das nicht nach meinem Kopf lief, das jemand mich in eine andere Richtung schicken wollte, das ein Erwachsener gegen meine Vorstellungen entschied. Ein Kind möchte einen bestimmten Weg durch das Zimmer laufen und du stellst ihm einen Würfel hinein, sodass es diesen Würfel erst bewegen muss, um dort hin zu gelangen wo es hin will. Was tut ein Kind, dem du etwas in den Weg stellst? Es stemmt sich mit seinem kleinen Körper gegen das entsprechende Objekt, um es wegzuschieben.

Was tut der Erwachsene, wenn dieses Kind etwas haben möchte, dass es nicht bekommen soll?

Er stellt sich mental gegen das, was das Kind möchte. Dem Kind wird ein „Nein“ in den Weg gestellt. Gleichsam der Reaktion wie wir es mit dem Würfel machen, stemmt sich das „Ich will“ gegen dieses „Nein“. Mentale Kräfte werden mobilisiert und jede Menge Energie fließt in dieses „Ich will“ aber auch gleichsam in dieses „Nein“ in dem Moment, wo der Kampf heißer wird. Das Kind versucht, sich durchzusetzen und das Kraft messen beginnt. Und möglicherweise wird es irgendwann einmal auch seinen Willen bekommen, und sich tatsächlich durchgesetzt haben. Und so lernen wir, wenn wir etwas haben wollen, stemmen wir uns mental gegen diese scheinbare Barriere, die uns im Wege steht.

Energetisch gesehen bedeutet dieses entgegenstemmen, dass wir Energie irgendwo anstauen. Irgendwo in deinem Körper bildet sich ein Knoten, ein kleiner Ball, der immer größer wird, den du dem Hindernis entgegen schleudern möchtest. Aber anders als bei dem Beispiel mit dem Erwachsenen als Gegenspieler befindet sich der Schauplatz der Emotion in deinem Körper. Selbst wenn der Erwachsene dem Kind nachgibt, hat sich diese Energie gebildet und auch die Barriere die das Kind bekämpft entstand als Bild in ihm. Aber es hat gelernt, dass es scheinbar manchmal dadurch ja dort hingelangt, wo es hin will.

Was also passiert, wenn du ein emotionales Problem hast, das sich nicht dadurch lösen lässt, dass der andere nachgibt?

Du hast also ein Bild von deinem Gegenspieler in dir und du kämpfst wie der Schattenboxer gegen das Bild in dir. Aber anders als bei einer physischen Barriere, kannst du in diesem Fall diesen Schatten nicht mit deiner geballten Energie wegschieben. Du machst die Barriere dadurch nämlich nur größer. Dein Widerstand gegen dieses Ungerechte, dieses was dir Angst macht, dieses weghaben wollen von etwas, das in dir liegt, kommt einem Festhalten daran gleich. Zum Beispiel dieser doofe Chef, der das ganze Team kaputt macht, könnte aber auch wirklich ein bisschen einsehen, dass er doof ist….

Jein – zum einen ist es seine Wahl die Dinge zu sehen wie er das tut. Aber indem du ihn doof findest musst du andere Dinge auch nicht sehen. Denn du kannst dich damit aufhalten, dass er ja doof ist. Und es ist für deine Seele und Körper völlig irrelevant ob es wirklich so ist. Es bewirkt, dass du dadurch daran festhältst und damit auch verhinderst andere Dinge zu erkennen, die es dir ermöglichen, weiter zu gehen.

Ich kenne Menschen, denen vor Jahrzehnten einmal etwas passiert ist, worüber sie sich aufgeregt haben, die heute am selben Tag immer noch in Rage darüber geraten können. Sie haben es nie geschafft, über diesen Punkt hinauszukommen, in dem sie sich mental gegen diese Barriere die eigentlich in ihnen selbst liegt zu stemmen. Sie stemmen immer noch ihre Energie dort hinein und so ist die Energie gefangen. Verhaftet und blockiert seit Jahrzehnten. Auch der Körper hat diese Energie gespeichert. Irgendwo, in deinem Körper, kannst du sie finden. Da steckt sie, und vielleicht macht sie dir schon ganz lange Bauchschmerzen und du machst die Milch, das Weizen, die Pollen und weiß der Geier was noch dafür verantwortlich. Nur nicht diese Sache, die dir seit Jahren die Nerven raubt. Und der einzige Weg diese Energie wieder ins fließen zu bringen, ist loslassen, akzeptieren was da ist. Annehmen, was dieses Gefühl dir sagt. Ja es war ungerecht. Aber jetzt kannst du weiter gehen. Ja es war verletzend und du kannst noch einmal richtig wütend mit der Faust einen Baum anschreien, aber wenn du alles rausgebrüllt hast, kannst du jetzt entscheiden, das anzunehmen das es so war, damit du endlich loslassen kannst. Du kannst dich natürlich auch entscheiden dabei zu bleiben. Der andere war doof. Aber dann wird sich auch nicht viel ändern, denn die Energie der Anklage bleibt an dir kleben, nicht beim anderen, das ist seine Baustelle nicht deine.

Aynara Garcia, im April 2016

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Ein Gedanke zu “Festhalten

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