To-Do Liste für schlechte Vorsätze

To-Do Liste für schlechte Vorsätze

  • auch ich habe Ziele verfasst
  • in diesem Jahr
  • wünschte mir beileibe dringlich deren Umsetzung auf dieser Welt
  • mögen sie mir den Wandel bringen
  • ohne widerwilliges Bezwingen
  • auf dass, von Innen mich zusammenhält, was trägt und was abdinglich scheint, das nicht
  • aller Anfang ist noch annehmbar was lebenslänglich eine Last


Ich wollte endlich spät aufstehen.
Was kann schon zeitig sein
und am Morgen zu besorgen wichtig,
wenn ich beim mittäglichen Glockenschlag
verzweifelt neben mir erwache
ohne Gründe für die Sache?
Jeder beginnt seinen eig’nen Tag, richtig?,
ohne neidisch zu sein, im Nachhinein.
(Diesen Vorsatz schnell mit einem Strich versehn’)


Ich nahm mir vor, mit dem Rauchen zu beginnen
Das ist rebellisch, im Umkehrschluss gut
und soll beruhigen. So Allgemein.
Die Zigarette durch den Tag
entspannt’s Gemüt, verpufft die Sorgen
auch könnt ich andern eine borgen.
Ich muss passen. Weil ich’s nicht vertrag’
Mich zieht kein Zug mehr an.
Dahin war’s mit dem Vorsatzmut.
(Auch von diesem Vorsatz schleunigst wieder trennen)


Ich wollte weniger Sport betreiben
(Ich übertreibe doch so gern!)
Wollte endlich fauler werden,
mal in die Beobachterrolle gehn’.
Nun, das Nichtstun bekommt mir ganz beschwerlich.
Nicht trainieren? Schwierig! Ehrlich.
Also hielten ich und mein Bewegungsgen
es für unausweichlich hier auf Erden
uns dem Leistungsdruck des Liegens zu verwehrn’.
(To-Do: Sport machen! Wieder auf die Liste schreiben!


Vorsatz Nummero vier: Dem gesunden Ernährungswahn entweichen!

Ich hielt es fest nebst Gurkenbrot und Trauben
versetzte mein Mir-Bewusst-Bin-Sein
in frische Taten und frittierte munter Fritten.
Genoss geschmacklich NICHTS, betone,
fragte mich trüb “Schaff ich’s wieder ohne?”
Während mir die fettigen Hände übel durch die Haare glitten,
stellte ich mein Essverhalten wieder ein.
War zufrieden. Könnt ihr glauben.
(Auch diesen Vorsatz wieder streichen!)


Dann hielt ich fest, zu guter Letzt,
versprach: Ich will nicht mehr so viel reimen!
Es sperrt mein Hirn …, beschwingt zu sehr,
als dass es meiner Arbeit nutzt …
Dann fragte ich erneut: Bist du wirklich ernst
dabei, wenn du dein Talent entkernst?
Wenig ist mir viel bewusst,
aber das Reimen – gäb ich niemals her.
Es ließ sich nicht mit mir vereinen!
Deal! Befreit! (Hab’ dann die Vorsatzpunkte samt Papier zerfetzt!)


Mir wurde, nach diesem Gedankenexperimentum, klar:
Ich bastle’ schon ewig, zugegeben,
an dem Plan, ich selbst zu sein.
Manchmal frage ich ohne Pause, immerzu,
Wo und wann wird er, der Punkt, und wie
wohl sein und kommt er oder kommt er nie?
Ich lasse mich mal selbst in Ruh’
in diesem Jahr. Ziel dabei: Mich selbst zu lieben – als Distel und als Blümelein.
Ich will werden, der ich bin in meinem Leben.
Ich brauche mich. Im neuen Jahr.


1.) Am Mittag aufstehen
2.) Endlich mit dem Rauchen beginnen
3.) Viel, viel weniger Sport treiben
4.) Gesunde Ernährung nur in Notfällen
5.) Reimen nervt!


Neue To-Do-Liste für 2016:

Werde, der du bist.
(Friedrich Nietzsche)

Vorsätze

Bild: Julia Meeh

Die Reise des Lebens, ist der Weg zu sich selbst,
in diesem wie in allen Jahren.

[Jennifer Hilgert, im Februar 2016]

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