Gut vorgenommen ist halb gewonnen?

Start 2015

Start 2015 – Foto Pixabay.com

Was gute Vorsätze angeht, bin ich immer sehr zwiegespalten. Einerseits denke ich, dass gute Vorsätze einen sehr unter Druck setzen können und auf die ohnehin bei den meisten Menschen zu lange To-do-Liste noch oben drauf kommen. Andererseits ist es gut, wenigstens einmal im Jahr in sich hineinzuhorchen, ob man noch „auf Kurs“ ist, ob man wirklich so lebt, wie man es sich vorgestellt hat.

Die größte Schwierigkeit bei guten Vorsätzen ist aus meiner Sicht die Unplanbarkeit des Lebens. Wir geben uns gern der Illusion hin, dass wir alles im Griff haben und alles bestimmen können. Aber immer wieder zeigen uns unerwartete Ereignisse, dass dem nicht so ist. So haben wir etwa einen Zahnnotfall während einer Entgiftungswoche, in dessen Folge wir Schmerzmittel und Antibiotika schlucken müssen, oder haben uns gerade vorgenommen, früher von der Arbeit nach Hause zu gehen, als wir ein neues umfangreiches Projekt auf den Tisch bekommen. Wir wollen aufhören zu rauchen und fangen stattdessen an zu essen, wir möchten regelmäßig joggen und brechen uns den Fuß, wir wollen mehr lesen und bekommen eine Augenentzündung. Die Folge ist immer dieselbe: Frustration und das Gefühl, dass entweder wir unfähig sind oder das Schicksal es auf uns abgesehen hat.

Sollte man sich also lieber gar nichts mehr vornehmen, damit man nicht enttäuscht wird? Auch nicht gut, denn dann werden wir zu willenlosen Schachfiguren, die andere auf dem Brett des Lebens hin- und herschieben.

Wichtig ist es gerade bei guten Vorsätzen, realistisch zu bleiben. Unsere Zeit etwa wird nicht plötzlich mehr, nur weil es ein anderes Jahr ist. Wir verspüren auch nicht plötzlich keine Lust mehr auf Süßigkeiten. Wenn wir etwas ändern wollen, dann müssen wir aktiv werden. Nicht, indem wir uns unter Druck setzen. Sondern, indem wir uns klar machen, dass wir nicht 15 Dinge in 30 Tagen an uns und unserem Leben ändern können, sondern vielleicht eher eine Sache in 6 Monaten. Dass wir in einer hektischen Zeit nicht mit etwas beginnen, das uns vielleicht noch mehr Stress einbringt als es uns gut tut.

Der beste gute Vorsatz ist daher aus meiner Sicht: Sei nachsichtig mit Dir. Hab für Dich dasselbe Mitgefühl und Verständnis wie für andere auch. Versuche nicht, perfekt zu sein. Übe Dich darin, zu akzeptieren, dass Du es nicht nur nicht jedem recht machen kannst, sondern manchmal nicht einmal Dir.

Nur mit Ruhe und Nachsicht kann man Dinge bewegen – und manchmal sogar Berge versetzen. Allerdings sehr langsam, vielleicht einen Millimeter pro Tag. Aber das ist ja auch schon was.

[Yvonne Pioch, im Januar 2015]

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