Herbstboten

Schweinerei

Schweinerei

Herbstboten

Tannenwipfel wiegen, geradeaus
im Unterholz, entlang
die Säue suhlen sich im Schlamm, entspannt
genießen sie die Sonne, letzte
Strahlen wärmen, unaufhaltsam
hin und her, zufrieden
Eicheln kauend, werden‘s immer mehr.
Eine Bache und ein Keiler grunzen,
schmatzen, fressen mit den sechsen
zwei volle Tröge leer.

(Franziska von Schleyen)

Es sind genau 10 Verse. Die 10 taucht immer wieder als Ganzes auf, so haben wir in der Regel 10 Finger und 10 Fußzehen. Es gibt das Lied mit den 10 kleinen Negerlein (darf man glaube ich heute nicht mehr singen?). In religiöser und philosophischer Sicht steht die 10 für Abgeschlossenheit. Man denke nur einmal an die 10 Gebote. Bei mir sind es 2 ausgewachsene Wildschweine, 6 Frischlinge, 2 Tröge und 10 Verse.

Ich habe mit „Enjambements“ gearbeitet. Das bedeutet, dass der Satz über das Vers-Ende hinaus in den nächsten einleitet. Das ist ein interessantes Stilmittel in der Lyrik. Damit nicht alle beim Lesen gleich die Flinte ins Korn werfen, hier ein Versuch der Erklärung.

Man kann zum Beispiel lesen:

„Tannenwipfel wiegen geradeaus“

Also direkt vor deiner Nase. Oder man liest:

„Tannenwipfel wiegen.
Geradeaus im Unterholz entlang die Säue suhlen.“

Dann sind die suhlenden Säue im Vordergrund, während die wiegenden Tannenwipfel vielleicht lediglich einen samtigen Herbsttag andeuten.

Den Rest überlasse ich eurer Fantasie und wünsche euch viel Spaß!

Franziska von Schleyen, im Oktober 2015

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