Mein kreativer Schreibplatz

Kreativer Schreibplatz

Kreativer Schreibplatz

Es ist 7:00 Uhr am Morgen, im Sommer kann es auch noch früher sein. Ich schlüpfe in meinen Bademantel, manchmal auch zwei übereinander, wenn es draußen noch kalt ist. In der Küche schalte ich meine Nespresso Maschine an und bereite mir zunächst einen frischen Kaffee. Vielleicht kann man sich das nur schwer vorstellen, doch für mich beginnt die Inspiration bereits mit der Auswahl einer stimmungsabhängigen Kaffeetasse. Manchmal nehme ich die französische Kaffeeschale, die mein Mann einmal von einer Frankreichreise mitgebracht hat, manchmal wähle ich die Tasse mit den roten Rosen aus einem Urlaub von der Insel Rügen oder mir gefällt der „Gute Laute Becher“ mit dem lachenden Sonnengesicht, das mir einen guten Morgen wünscht und der ein Geschenk meiner Freundin Brigitte ist.

Danach schnappe ich mir zwei Kissen, mein „black-book“, in das ich meine Erstentwürfe schreibe und mein Smartphone. Das nehme ich mit, falls ich etwas entdecke, was schnell in einem Foto festgehalten werden muss und das mich beim Texten beflügelt. Vorsichtig und leise öffne ich die Haustür, damit ich niemanden im Haus wecke, ziehe meine grasgrünen Gummischuhe an und setze mich auf die Gartenbank in meinem Garten.

Die ersten Zeilen die ich schreibe könnten lauten:

„Heute ist Montag, es ist frisch, bei 12 Grad und Sonnenschein. Der Himmel abermals blau und glatt wie ein stiller Ozean…“

oder

„Heute ist Samstag, der Himmel ist bewölkt und Sonnenstrahlen scheinen durchs graue Wolkendach. Entfernt bellt ein Hund. Der hohe Jasmin neben mir wirft tiefe Schatten auf den frisch gemähten Rasen. Eine Amsel trällert vom Spielplatz …“

Sommer: Schreiben bei Licht und Schatten

Sommer: Schreiben bei Licht und Schatten

Ich schreibe einfach. Man nennt es auch Morgenschreiben. Völlig belangloses Zeug. Wie es mir heute geht, wie ich mich fühle, was ich sehe, was ich denke und so weiter. Dabei erhebe ich keinerlei Anspruch an Grammatik, Formulierung, Rechtschreibung oder sonst irgendetwas. Ich lasse es fließen.

Manchmal beobachte ich die Amseln, wie sie nach Würmern im Rasen lauschen und dabei ihren Kopf schräg halten. Dort ein keckerndes Rotschwänzchen, mit dem ich mich unterhalte. Oft gelingt es mir, so in einen intensiven Plausch zu geraten. Oder ich beobachte „Verliebtheiten“ in meinem Garten, wie etwa der Mohn, der die Akelei küsst oder der Schokoladenwein, der sanft seine Arme um die Hortensie schlingt, so als wolle er sagen: „Komm Liebes, alles wird gut“. Clara, die kleine Feldmaus, kommt vorbei und setzt sich direkt vor meine Füße. Sie schaut mich mit ihren schwarzen Kulleraugen an und ich begrüße sie: „Hallo Clara, was machst du denn hier so früh am Morgen?“. Es scheint, als bliebe sie sitzen, um meinen Worten zu lauschen bevor sie in riesigen Sprüngen und hohen Bögen über den nicht gemähten Rasen hinüber ins Staudenbeet springt. Schade, jetzt war ich zu spät mit meiner Kamera.

Und so sitze ich und schreibe, und schreibe, und schreibe…

Während die Sonne meinen Rücken sanft wärmt, duftet es nach frischer Erde. Der Wind wiegt die Blätter zart hin und her. Flugzeuge malen Silberstreifen an den Himmel und ich beobachte, wie Tauben in silbernen Schwingen ihren Morgenspaziergang auf des Himmels blauer Wiese zelebrieren.

Dann bin ich ganz bei mir und denke an die Schöpfung um mich herum und den Schöpfer in mir. Ich denke an Synchronizität und wie sich alles im Leben fügen kann. Wie wir uns manchmal anstrengen, um irgendetwas in unserem Leben zu erreichen. Ich denke an Gott, an seine allmächtige und allwissende Kraft, wobei ich hier nicht unbedingt von dem kirchlichen Konzept ausgehe. Ich denke an Frieden, Ruhe und Stille, lausche den Vögeln, wie jetzt gerade einer gurrenden Taube auf dem Dach des Nachbarhauses. Ich versuche, in mich aufzusaugen, wahrzunehmen und mich zu spüren. Dann – und nur dann – kann es bei mir fließen.

So entstehen meine MOMENTUMS, wie dieses hier:

Alles so klar //
So frisch //
So weit //
So blau //
Hell, freundlich, heiter – ohne Schwere //
Atme tief, fühle dich wohl //
Frühling lässt sein blaues Band…//
Hörst du die Harfe erklingen? //
Wie zart //
Vergissmeinichtblau berührt sie deine Gedanken
und lässt dich schweben ins hier und jetzt.// [FvS]

Wenn es regnet, weiche ich auf die kleine Gartenbank, die geschützt im Erker unseres Hauses steht, aus. Auch dann verbringe ich das Morgenschreiben in meinem Garten.

Im Winter gibt es einen anderen Schreibplatz, doch das erzähle ich ein anders Mal…

Mit erfrischenden Sonnengrüßen aus meinem Garten

Ihre Franziska von Schleyen

Im März 2015 erschien der MOMENTUM Band „Gestrandete Geschichten“ gemeinsam mit Brigitte Wilke. Derzeit arbeitet Franziska von Schleyen an einem Kinderbuch. Weitere Infos gibt es hier.

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