Mein kreativer Arbeitsplatz…

Ich schreibe und dichte überall. Äußerst gewagt und vermessen?

Meine ganz persönliche Schreibumgebung habe ich mir jedoch zuhause geschaffen. Mein kleiner Schreibtisch mit geringer Arbeitsfläche ist der Ort, von dem alles ausgeht. An ihm kann ich mich und meine Schreibgeräte inszenieren, ganz so, wie ich es für meine Arbeit brauche. Alles liegt symmetrisch geordnet und sauber entstaubt bereit, sodass ich hoffnungsvoll ordentlich beginnen kann. Alles, was ich gebrauchen könnte, findet sich auf meinem Schreibtisch mit Blick auf eine belebte Straßenkreuzung. Griffbereit dampfen, sprudeln und gedulden vor sich hin: Kaffee, Wasserglas, Lieblingskuli, Familienfotos, Notizbücher, Energiesteine, Literatur, Laptop, Karteikarten, geheimnisvolle Kästchen und andere materielle Relikte inmitten einer bunten heimeligen Atmosphäre – bevor dann – die Berge der Rebellion wachsen…

Mein Arbeitsplatz

Mein Arbeitsplatz

“In meinem Kopf herrscht das Chaos. Ein ziemlich kreatives noch dazu”, so mein Klappentext meines ersten Werks “Dichtverkehr”.

Über den Tag hinweg schaffe ich es nämlich, alle Utensilien und markanten Schreibhilfen zu verteilen.

Und ich gleich mit ihnen. Ich mache mich eben gerne breit. Mein Lieblingsschreibplatz erstreckt sich. Verteilt sich. Breitet sich aus. Ist selten an einem Ort.

Im Auto

Im Auto

Oft verlassen wir gemeinsam die Wohnung. Schreiben da, wo es uns gefällt. Wir steigen in die Bahn, setzen uns ins Café ab oder verknoten uns im Schneidersitz auf einer Parkbank.

Arbeitsplatz

Arbeitsplatz

Wir schreiben da, wo es gerade geht.

Am Abend ordne ich alles wieder. Räume Schreibgeräte und Arbeitsmittel an ihre Plätze zurück. Lege alles für den kommenden Tag bereit.

In den Jahren hat sich heraus gestellt, dass mein Platz zum Schreiben überall sein kann. Das mag sich pathetisch anhören, ich habe aber gemerkt, dass meine Schreibgewohnheiten chamäleonisch sind. Ich brauche Bewegung. Zum Schreiben. Zum kreativ sein. Zum Sein. Was (für mich) werden soll, muss mal in Bewegung gewesen sein. Zappelnde Anpassung nenne ich das.

Mein Lieblingsplatz zum Schreiben ist kein physischer Ort, vielmehr ein Zustand. Ein Zustand der Bewegung. Sie kann mich überall hinführen.

Meine Gedanken fließen da, wo ich sein will, nachdem ich mich bewegt habe. Der Blick ist mir wichtig. Und der Weg. Irgendwohin. Am Ende lande ich ja doch im Schneidersitz. Da oder hier. Und wenn ich doch meine heimische Atmosphäre brauche, dann kehre ich wieder nach Hause.

Ich bin nicht entwurzelt, oder heimatlos. Aber ich bin Reisende. Wie meine Gedanken. Vielleicht ist das nicht immer verständlich. Oder kreativ. Aber ganz sicher authentisch.

Mein kreativer Arbeitsplatz

Mein kreativer Arbeitsplatz

Mein kreativer Arbeitsplatz…

ist kein Ort. Überall.
Ist hier. Und dort.
Entwurzelt
gelöst
sicherheitsgeprüft
doch heimisch.
Relikte eines
schreibenden
Vagabundes
Inszenierung meiner Selbst
geordnetes Sammelsurium
Belebt. Musik und Stimmen. Mal leicht
In Bahn und Café.
Am Wasser.
In der Menge
allein
Zu jeder Zeit

Bin ein Exil
meines Antriebs.
Meiner Phantasie.

Jennifer Hilgert, 3. Juni 2015

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3 Gedanken zu “Mein kreativer Arbeitsplatz…

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