Kein Kreativplatz – sondern Schreibrausch

Einen Kreativ-Ort, an dem ich schreibe, habe ich nicht. Der ist auch gar nicht nötig, denn wenn ich an meinem PC sitze, weiß ich schon, was ich in die Tasten hauen will. Die Umgebung nehme ich nicht wahr, ich achte nur auf meine Gedanken und lasse mich weder von den zahlreichen Überraschungseier-Figuren noch vom Stein Keith auf meinem Schreibtisch ablenken.

Die besten Ideen habe ich unter der Dusche, wenn ich Wäsche aufhänge oder sonstwie in Bewegung bin. Dann überschlagen sich die Gedanken buchstäblich. Um sie festzuhalten, darf ich mich auf keinen Fall hinsetzen. Ich laufe im Zimmer auf und ab, genauso wie ich es beim Zähneputzen und Telefonieren mache. Mein Schrittzähler, der zu Hause immer an mein T-Shirt geklippt ist, freut sich darüber genauso wie mein Gehirn.

Während ich so laufe und denke, führe ich meist halblaute Selbstgespräche. Dazwischen klatsche ich in die Hände und ermutige mich selbst mit Sätzen wie „Ha! Das ist eine meiner besseren Ideen.“ oder gar „Das ist so genial!“. Zum Glück habe ich keine Webcam, deshalb wundern sich allenfalls die Fische in meinem Aquarium. Und der Keith natürlich – erstaunlicherweise hat er über dieses absonderliche Verhalten noch nie eine Kolumne für „Die Schreibmaschine“ verfasst.

Dann folgt er: der Schreibrausch. Ich falle auf meinen Drehstuhl und tippe, bis alles geschafft ist und das letzte Wort sitzt. – Danach blicke ich für gewöhnlich auf die Uhr und kriege einen Schreck, weil der Tag nur noch so kurz ist und die Liste der unaufschiebbaren To-dos noch so lang. Oder mir fällt um 16 Uhr nachmittags auf, dass ich noch nicht gefrühstückt habe.

Inzwischen habe ich es geschafft, die Schreibrausch-auslösenden Ideen in ihre Schranken zu verweisen: Sie überfallen mich nur noch an Tagen, an denen ich keine Kundentermine habe. Was nur noch selten der Fall ist. Daher brechen die Ideen dann umso lawinenartiger über mich herein. Wie die Sache mit dem Schreibwettbewerb. Rauscht Ihr mit mir?

Yvonne Pioch

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3 Gedanken zu “Kein Kreativplatz – sondern Schreibrausch

  1. Liebe Yvonne,

    ich glaube, das mit dem Schrittzähler muss ich auch mal probieren. Und mir ab und zu ein Lob auszusprechen wär‘ vielleicht auch nicht schlecht. Danke für diesen köstlichen Artikel deiner Schreibwerkstatt. Lg FvS

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